Wieso komme ich beim Sex nicht? Diese Frage taucht in vielen Gesprächen auf, doch konkrete Antworten bleiben oft aus. In diesem Interview-Szenario spreche ich mit Dr. Lena Weber, einer erfahrenen Sexualtherapeutin, über die häufigsten Ursachen, wie sich das Thema äußern kann und welche realistischen Wege zu mehr Klarheit führen können.
Wir starten direkt mit einer offenen Frage: Was bedeutet es, nicht zu kommen, und wann sollte man darüber nachdenken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen? Die Antworten variieren, doch oft geht es um eine Mischung aus körperlichen Reaktionen, Stress, Erwartungen und Kommunikation in der Partnerschaft.
Ursachen verstehen: Körperliche Signale, Erwartungen, Stress
Dr. Weber erläutert, dass das Erleben oder Nicht-Erleben eines Orgasmus nicht universal ist. Manchmal liegt die Ursache in der körperlichen Situation: Müdigkeit, Hormonwechsel, Medikamente oder zu wenig Erregung vor dem Höhepunkt. Wichtig sei hier, ehrlich zu prüfen, ob man überhaupt ausreichend erregt ist, bevor man den Fokus auf den Orgasmus legt.
Was ist normal und wann Rat holen?
Eine normale Spanne reicht von wenigen Minuten bis zu einer längeren Erregungsphase. Wenn das Nicht-Kommen regelmäßig auftritt und mit Unwohlsein oder Frustration verbunden ist, ist es sinnvoll, das Thema anzusprechen – sei es mit dem Partner oder einer Fachperson.
Wichtige Hinweise: Achte auf Veränderungen in der Libido, in der Reaktion auf Stimulation oder auf neue Medikation. All das kann das Timing beeinflussen. Wir sollten das Thema nicht als Scheitern, sondern als Hinweis für Anpassung ansehen.
Kommunikation als Schlüssel: Offen über Wünsche, Grenzen und Erwartungen sprechen
Viele Klientinnen und Klienten berichten, dass das Schweigen im Schlafzimmer eine Bridgerolle spielt: Man glaubt, der andere wüsste, was man braucht, oder man traut sich nicht, über Fantasien oder Vorlieben zu reden. Genau hier setzt eine strukturierte Kommunikation an.
Eine konkrete Methode ist das gemeinsame Pre-Play-Interview: kurze, ehrliche Fragen vor dem Sex, wie „Welche Stimulation war zuletzt besonders?“, „Möchtest du langsamer wechseln?“, oder „Soll ich mich heute stärker auf dich konzentrieren?“ Solche Absprachen mindern Erwartungsdruck und schaffen Raum für Entspannung.
Praktische Gesprächsanlässe
Beispiel aus der Praxis: Ein Paar bemerkt, dass die Frau beim Geschlechtsverkehr oft nicht zum Orgasmus kommt. Sie besprechen in Ruhe, dass orale Stimulation oder klitorale Berührung vor dem vaginalen Sex sinnvoll sein könnten. Die Kommunikation erfolgt in einer neutralen Tonlage, ohne Vorwürfe. Ergebnis: mehr Sicherheit, weniger Stress, bessere Erregung.
Ein weiteres Beispiel: Ein Mann fühlt sich unter Druck gesetzt, schneller zu performen. Hier hilft eine Vereinbarung, Pausen einzubauen, um die Erregung zu regulieren, statt durchzustehen. Das gemeinsame Ziel ist eine befriedigende Intimität, nicht eine bestimmte Zeitspanne.
Techniken, die helfen können: Sinnliche Achtsamkeit, Positionen, Tempo
Neben der Gesprächskultur spielen sinnliche Techniken eine Rolle. Achtsamkeit im sexuellen Kontext bedeutet, den eigenen Körper wahrzunehmen, ohne zu urteilen. Das reduziert Stress und macht es leichter, in den richtigen Moment zu kommen.
Auch die Wahl der Stimulation kann entscheidend sein. Manche erleben den Orgasmus besser durch intensivere Klitoris-Stimulation, andere durch gleichzeitige Stimulation von G-Punkt oder Prostata. Experimentieren in einem sicheren Rahmen, mit Zustimmung beider Partnerinnen, ist hier der Weg.
- Dos: kommuniziere klar, nenne konkrete Bedürfnisse, nimm dir Zeit, achte auf Pausen, bleibe respektvoll.
- Don'ts: vermeide Schuldzuweisungen, kritische Vergleiche mit anderen, Druckaufbau, negative Labels wie ‚versagen‘.
Was tun, wenn der Druck bleibt? Szenarien und nächste Schritte
Bleibt das Problem trotz offener Gespräche bestehen, lohnt sich eine strukturierte Herangehensweise. Ein Termin bei einer Sexualtherapeutin oder einem Sexualtherapeuten kann helfen, Muster zu erkennen und individuelle Lösungen zu entwickeln. Oft geht es darum, das Tempo zu verändern, Verhärtungen abzubauen und wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen.
Dr. Weber betont, dass Geduld sinnvoll ist: Nicht jeder Plan klappt sofort. Manchmal ergeben sich Fortschritte schrittweise – mit kleinen Erfolgen, die das Selbstvertrauen stärken.
Fazit: Wieso komme ich beim Sex nicht – gemeinsam Lösungen finden
Zusammenfassend bedeutet das Thema nicht-kommen im Sex oft eine Mischung aus physischen Faktoren, psychischem Druck und Beziehungsdynamik. Durch ehrliche Kommunikation, individuelle Anpassungen und evtl. professionelle Unterstützung lässt sich eine befriedigendere Sexualität erreichen. Es geht darum, den Zustand gesehen zu wissen, statt ihn zu bewerten.
Wenn solche Fragen regelmäßig auftreten, ist das kein Makel, sondern ein Hinweis, dass neue Impulse nötig sind. Mit dem richtigen Rahmen – Respekt, Offenheit und Geduld – lassen sich viele Hürden überwinden, und das gemeinsame Erleben kann wieder Freude geben.