Eine aktuelle Studie zeigt: Jährlich berichten etwa 1 von 5 Erwachsenen von sexuellen Problemen in einer Partnerschaft. Diese Zahl mag alarmierend klingen, doch sie ist zugleich ein Spiegel der Vielfältigkeit menschlicher Sexualität. Sex macht kein spaß kann viele Ursachen haben – von kurzfristiger Überforderung bis zu langfristigen Belastungen der Beziehung. In diesem Interview beleuchten wir das Thema mit Prof. Dr. Miriam Weber, einer Sexologin mit Praxisfokus auf Paardynamik und individuelle Bedürfnisse.
Wir starten mit einer überraschenden Feststellung: Nicht Lustlosigkeit, sondern die Komplexität von Erwartungen führt oft zu Frustration. Wenn Paare merken, dass sexueller Genuss in der Beziehung stagniert, ist das kein Zeichen persönlicher Schuld, sondern ein Signal für Kommunikationsbedarf und Anpassung an veränderte Lebensumstände.
Was bedeutet Responsible sexuelle Zufriedenheit?
Frage: Frau Prof. Weber, was bedeutet es, wenn man sagt, sex macht kein spaß?
Antwort: Es bedeutet, dass Lust, Erregung oder Befriedigung im Moment fehlen – oft begleitet von Druck, bestimmten Normen entsprechen zu müssen. Es geht nicht um Verurteilung, sondern um die Frage, wie beide Partner wieder Nähe erfahren können, ohne das Gefühl zu haben, versagt zu haben.
Ursachenanalyse
Ursachen reichen von physischen Faktoren über psychische Belastungen bis zu Beziehungsdynamiken. Schlafmangel, Stress im Beruf, hormonelle Veränderungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten können den Sexualtrieb drücken. Gleichzeitig spielen Kommunikation, Vertrauen und Sicherheit eine zentrale Rolle: Ohne ein Gefühl von Sicherheit fehlt oft die Bereitschaft, sich zu öffnen und Neues auszuprobieren.
Wechselseitige Erwartungen können ebenfalls belastend wirken. Wenn einer Partnerin oder einem Partner sofortiges Vergnügen versprochen wird, entsteht Druck. Maßgeblich ist hier, dass wir Sex als gemeinsamen Prozess sehen, der Zeit braucht und bewusst gestaltet wird.
Praxisbezug: Warum reden oft hilft
Frage: In der Praxis, wie geht man mit dem Phänomen um, dass sex kein spaß macht?
Antwort: Offenheit schafft Raum. Ein Gespräch über Bedürfnisse, Grenzen und Vorlieben senkt Hemmungen. Wichtig ist, dass beide Seiten gehört werden und keine Schuldzuweisungen erfolgen. Oft verschiebt schon ein paar ehrliche Worte die Perspektive und führt zu einem sanfteren Umgang miteinander.
Therapie- und Beratungsoptionen
Wenn die Hemmschwelle zu groß ist, ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Eine Sexualberatung oder couples-therapy kann helfen, Muster zu erkennen, Kommunikationswege zu öffnen und neue, einvernehmliche Wege zur Lustzufriedenheit zu entwickeln. Der Fokus liegt auf praktischen Übungen, die sich im Alltag integrieren lassen.
Es gibt kein starres Rezept. Der Weg zu mehr Freude ist individuell und hängt stark vom Umfeld, der Lebensphase und der bisherigen Beziehungsgeschichte ab.
Praxis-Tipps: Konkrete Schritte im Alltag
Frage: Welche konkreten Schritte empfehlen Sie Paaren, um sex macht kein spaß besser zu verstehen?
Antwort: Erstens Prioritäten neu setzen: Weniger Druck, mehr Neugier. Zweitens Kommunikation üben – statt Vorwürfen klare Ich-Botschaften verwenden. Drittens kleine Experimente im geschützten Rahmen, die beiden Seiten Freude bereiten. Viertens regelmäßige Pausen, in denen man Zärtlichkeit ohne Erwartung von Befriedigung praktiziert.
Checkliste: Dos und Don'ts
- Dos: Zeit geben, Raum schaffen, Feedback ohne Beschuldigungen geben, gegenseitige Grenzen respektieren.
- Don'ts: Schuldzuweisungen, sich unter Druck setzen, Annahmen über den Partner treffen, sich äußerlich zu verstellen.
Die Praxis zeigt, dass kleine, konsistente Anpassungen oft nachhaltigere Ergebnisse liefern als groß angekündigte Veränderungswünsche. Wir beobachten häufig, dass Paare durch bewusstes Zuhören und kleine Experimente wieder miteinander in Verbindung kommen.
Abschluss: Resümee und Ausblick
Zusammenfassend lässt sich sagen, sex macht kein spaß ist kein individuelles Versagen, sondern ein Hinweis auf notwendige Anpassung in Kommunikation, Lebenssituation oder Beziehungskontext. Mit ehrlicher Sprache, geduldigem Vorgehen und professioneller Unterstützung lässt sich Lust wieder erleben – oft mit einer neuen, freieren Haltung gegenüber Sexualität.
Abschließend empfehlen wir, regelmäßig Rituale der Nähe zu pflegen, die nicht an die Erfüllung einer bestimmten Erwartung gebunden sind. So kann Lust wachsen, auch dort, wo sie zuvor schien, verloren gegangen zu sein.