Eine überraschende Statistik zuerst: In einer klinischen Studie gaben etwa 1 von 5 Erwachsenen an, schon einmal ungewollt Urin während intimer Situationen verloren zu haben. Das Thema bleibt oft tabu, doch es betrifft viele Paare unterschiedlich stark. In diesem Interview-Format sprechen wir mit einer Uro-Journalistin und einem Facharzt über ursächliche Zusammenhänge, konkrete Hilfen und den richtigen Umgang – damit Urinverlust beim Sex nicht jede Nähe trübt.
Frage an den Experten: Warum kann es überhaupt zu Urinverlust beim Sex kommen?
Experte: Grundlegend gibt es verschiedene Ursachen. Eine häufige ist die Beckenboden-Insuffizienz, also eine geschwächte Muskulatur rund um die Blase. Sie kann durch Schwangerschaft, Geburt, Alter oder Überlastung entstehen. Ebenso kommen Infektionen, Harnwegsreizungen oder interner Druck aus dem Bauchraum in Frage. Nicht zu vergessen: Stress, Anspannung oder das Timing der Blasenentleerung können das Phänomen verstärken.
Ursachen verstehen und beurteilen
Im Gespräch unterscheiden wir zwischen leichten Tröpfchen direkt nach dem Orgasmus und einem echten Harnverlust während sexueller Aktivität. Das klingt banal, hat aber unterschiedliche Behandlungswege. Der erste Schritt ist eine ehrliche Selbstbeobachtung: Wann tritt es auf, wie stark ist der Verlust, und welche Situationen verschlimmern ihn?
Frage an den Facharzt: Gibt es konkrete Risikofaktoren, die Paare kennen sollten?
Arzt: Gewicht, chronischer Husten oder Scherkräfte beim Geschlechtsverkehr können den Druck im Beckenboden erhöhen. Auch längeres Sitzen oder Bewegungsmangel schwächen diese Muskulatur. Wichtig ist die Klärung durch medizinische Abklärung, um andere Erkrankungen auszuschließen und passende Therapien zu finden.
Behandlungsmöglichkeiten und Alltagsstützen
Die good news: Es gibt wirksame Maßnahmen, oft schon mit einfachen Übungen. Beckenboden-Training, abgestimmt auf die individuelle Belastung, kann die Muskelkoordination verbessern. Begleitend helfen Blasentraining, Verhaltensänderungen und in manchen Fällen medikamentöse Ansätze oder andere Therapien. Wichtig ist eine Zusammenarbeit mit einem Spezialisten, der Erfahrung mit Inkontinenz hat.
Mein persönlicher Rat als Redakteurin: Beginnt mit kleinen, regelmäßigen Übungen und steigert sie allmählich. Gleichzeitig sollte man im Alltag vermeiden, Stress und Druck zu erhöhen – beides begünstigt eine Blasenüberempfindlichkeit. Offene Gespräche mit dem Partner oder der Partnerin fördern Verständnis und möchte man gemeinsam Lösungen finden.
Strategien im Praxisalltag
Im Alltag helfen oft einfache Präventionsmaßnahmen: Eine vorübergehende Blasenkontrolle durch gezieltes Kegeln, zeitliche Planung von Toilettengängen vor längeren Dates, und die Wahl bequemer, nicht einschnürender Unterwäsche. Bei manchen reicht das schon, um den Zwischenfall zu reduzieren.
Was Paare konkret tun können
Eine offene Kommunikation ist entscheidend. Wenn Urinverlust beim Sex auftritt, sollten beide Partner respektvoll bleiben und das Thema nicht als Versagen interpretieren. Vereinbarungen wie Stopp, Pause oder Veränderung der Position können helfen, ohne dass sich einer der Partner verurteilt fühlt.
- Vorbereitung: Toilettengang vor dem Sex, ausreichende Luftwege und passende Kleidung.
- Materialhilfe: Inkontinenz-Einlagen oder spezielle Sport-Bühnenbekleidung, die diskret unterstützen.
- Beckenboden-Training: Regelmäßige Übungen, idealerweise unter Anleitung.
- Offene Kommunikation: Gemeinsame Abläufe festlegen, damit sich beide sicher fühlen.
Zusätzliche Hinweise: Manchmal hilft eine kurze Pause, um die Blase zu entleeren oder die Intensität zu regulieren. Für manche Paare ist eine kurze Abstinenzphase sinnvoll, bis die Beckenbodenmuskulatur stärker ist. Wichtig bleibt, dass keine Panik entsteht – Fachärzte können individuelle Pläne erstellen.
Fazit: Alltagstauglichkeit statt Scham
Die Auseinandersetzung mit urinverlust beim sex ist kein Einzelfall, sondern ein medizinisch behandelbares Thema. Indem Paare Ursachen verstehen, Beckenboden stärken und offen kommunizieren, lässt sich viel Stress vermeiden und die Lebensqualität steigern. Mit der richtigen Vorbereitung und professioneller Begleitung bleibt Intimität auch bei diesem Thema verbunden – respektvoll, sicher und nah.
Abschließend ist es sinnvoll, bei wiederkehrenden Beschwerden eine uro- oder gynäkologische Abklärung in Erwägung zu ziehen. Moderne Therapien bieten individuelle Wege, damit Nähe wieder unbeschwert erlebt werden kann.