Häufiges Missverständnis: Sex während der periode sei automatisch unromantisch oder gefährlich. Unser Expertengespräch klärt auf, was tatsächlich möglich ist, welche Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll sind und wie Paare offen kommunizieren können. Das Thema bleibt oft tabu, doch gerade offene Gespräche schaffen Vertrauen und Sicherheit.
Ich treffe heute Dr. Lena Weber, Gynäkologin und Sexualmedizinerin. Wir reden nüchtern über Blut, Hygiene, Lust und Grenzen. Ziel ist es, eine sachliche, respektvolle Perspektive zu liefern – fern von übertriebenen Klischees oder panischen Warnungen.
Was bedeutet sex wahrend der periode praktisch?
Dr. Weber erläutert zuerst die biologische Seite: Während der Menstruation ist der Korpus luteus aktiv, der Hormonhaushalt wandelt sich, und der Blutfluss ist sichtbar. Für viele Paare bedeutet das, dass Nähe und Orgasmen möglich sind – oft sogar intensiver empfunden werden, da in dieser Phase andere Reize stärker wirken können. Entscheidend ist, dass beide Partnerinnen und Partnern zustimmen und sich wohlfühlen.
Es geht nicht um eine Einheitsregel, sondern um individuelle Bedürfnisse. Wir sprechen hier von erwachsenen, einvernehmlichen Entscheidungen. Wenn sich eine Person unwohl fühlt, gilt: respektieren, pausieren, erneut besprechen.
Wie beeinflusst die Periode das Verlangen?
Experten beobachten gemischte Reaktionen: manche berichten von gesteigerter Lust, andere erleben eine Abnahme. Hormonelle Fluktuationen, Schlafqualität und Stressfaktoren spielen hinein. Wichtig ist, dass es normal ist, wenn sich das Verlangen von Monat zu Monat unterscheidet. Kommunikation bleibt der Schlüssel.
In der Praxis bedeutet das: offen nachfragen, wie der andere gerade fühlt, und gegebenenfalls alternate Formen der Nähe wählen. Wir empfehlen, die Erwartungen locker zu halten und gemeinsam herauszufinden, was sich gut anfühlt.
Vorsichtsmaßnahmen und Hygiene
Bei allen Formen sexueller Aktivität während der periode sind Sauberkeit und Gesundheit zentrale Punkte. Ein sauberes Kondom, Gleitmittel ohne irritierende Zusatzstoffe und saubere Hände minimieren Infektionsrisiken. Wer sexuell aktiv ist, sollte auf regelmäßige Hygiene achten – besonders bei Berührung der Schleimhäute. Für manche Menschen ist Menstruationsfluss kein Hindernis, andere bevorzugen eine ruhige, saubere Umgebung.
Wichtig: Keine Angst vor Blut – es gehört zum natürlichen Prozess. Wenn eine Person Schmerzen hat oder sich schwach fühlt, ist Abstand sinnvoll. Die Entscheidung zum Fortfahren trifft die Person mit dem sichereren Wohlbefinden an erster Stelle.
Sicherheit, Schutz und Kommunikation
Für sex wahrend der periode gilt wie sonst: Konsens, Sicherheit, Rücksicht. Kondome schützen vor sexuell übertragbaren Infektionen und verhindern eine ungewollte Schwangerschaft, auch während der Periode. Gleitmittel kann Reibung reduzieren und den Komfort erhöhen. Wer in einer offenen Partnerschaft ist, sollte Tests und gesundheitliche Informationen respektvoll teilen.
- kommuniziere klar über Grenzen und Vorlieben
- verwende Kondome oder Barriereprodukte
- achte auf Hygiene und persönliche Grenzen
Persönliche Empfehlungen aus der Praxis
Aus meiner Erfahrung als Expertin empfiehlt es sich, das Thema Ruhe, Zuwendung und gemeinsame Planung zu integrieren. Manche Paare nutzen Perioden für Nähe ohne Penetration und konzentrieren sich auf Zärtlichkeiten, Küssen oder Massage. Andere erleben vollen Sex mit Penetration, wenn beide Partnerinnen und Partner sich sicher fühlen. Es gibt kein universelles Rezept – nur ehrliche Gespräche und respektvolles Ausprobieren.
Meine persönliche Empfehlung: Startet mit einem offenen Check-in am Anfang der Periode, priorisiert Komfort und Sauberkeit, und steigert die Intensität nur, wenn beide sich danach fühlen. Ein bewusster Umgang mit Erwartungen reduziert Enttäuschungen und stärkt das Vertrauen.
Schlussgedanken: Offenheit schafft Sicherheit
Abschließend bleibt festzuhalten: sex wahrend der periode ist eine legitime, oft bereichernde Form der Intimität, sofern alle Beteiligten zustimmen und sich sicher fühlen. Der Schlüssel liegt in Kommunikation, Hygiene und Respekt. Wenn Paare lernen, über ihre Bedürfnisse zu sprechen, entstehen Möglichkeiten zur Nähe, die über herkömmliche Vorstellungen hinausgehen.
Ich wünsche mir eine neugierige, aber verantwortungsvolle Haltung: Informiert euch, hört aufeinander, und gestaltet eure Sexualität gemeinsam – jenseits von Tabus, aber mit Rücksicht aufeinander.