In einer mondhellen Nacht liegt der Duft von Teerosen in der Luft, während draußen der Regen leise gegen die Fensterscheiben trommelt. Drinnen sitzt ein Paar am Küchentisch, redet leise, lacht, und doch steht eine Frage im Raum: Wie gehen wir verantwortungsvoll mit Sex und Erkältung um?
Wir sprechen mit Dr. Lena Vogel, Fachärztin für Sexualmedizin, die bereits tausende Paare beraten hat. Im Gespräch erklärt sie, wie Erkältung und intime Nähe zusammenpassen – und wo Vorsicht sinnvoll ist. Dieses Interview beleuchtet praxisnah den Alltag, von kleinen Anpassungen bis zu konkreten Grenzen, die das Wohlbefinden schützen.
Wie sich Sex und Erkältung zueinander verhalten
Frage: Warum kann eine Erkältung das sexuelle Erleben beeinflussen?
Antwort: Eine Erkältung belastet den Organismus. Fieber, Müdigkeit, Halsschmerzen – all das mindert die Lust, verändert die Reaktionsfähigkeit und kann das Erleben weniger angenehm machen. Gleichzeitig können Berührungen Nähe spenden und das Wohlbefinden steigern, wenn beide Partner zustimmen und aufeinander eingehen. Es geht nicht darum, Sex zu erzwingen, sondern eine Balance zu finden, die sich gut anfühlt.
Frage: Welche Unterschiede gibt es, ob man sich in der akuten Erkältung oder in der Erholungsphase befindet?
Antwort: In der akuten Phase sind Schleimhäute oft gereizt, Husten oder Schnupfen können die Atmung beeinträchtigen. Hautberührung kann kribbeln, aber auch unangenehm sein. In der Erholungsphase kehrt die Energie zurück, die Empfindung wird feiner, und es entstehen neue Nähe-Momente. Entscheidend ist: Kommunikation, Körpergefühl und Tempo.
Praktische Regeln für Sicherheit und Wohlbefinden
Frage: Welche konkreten Rituale helfen, wenn beide Partner gesund bleiben oder wieder gesund werden wollen?
Antwort: Achten Sie auf ausreichend Abstand, wenn Symptome stark sind. Küssen ist eine persönliche Entscheidung, bei Halsschmerzen oder Schleimhautreizung kann Aerosolverbreitung eine Rolle spielen. Nutzen Sie Alternativen wie sanfte Umarmungen, streichelnde Bewegungen am Arm oder Rücken, und halten Sie abwechselnd Pausen, damit niemand überfordert wird. Wichtig bleibt das Einvernehmen: Wenn einer Partner sich unwohl fühlt, pausieren.
Frage: Welche Rolle spielen Schutz und Hygiene?
Antwort: Bei grippeähnlichen Symptomen kann das Vermeiden von Mund-zu-Mund-Kontakt sinnvoll sein. Hygienische Grundregeln wie regelmäßiges Händewaschen, frisch gewaschene Bettwäsche und ausreichend Abstand bei stark erkälteten Phasen helfen. Falls sexueller Kontakt geplant ist, klären Sie vorher, ob beide Partner zustimmen und ob körperliche Einschränkungen bestehen.
Wenn Husten oder Schnupfen im Vordergrund stehen
Beispiel: A ist erkältet, hat Halsschmerzen. B möchte Nähe; sie einigen sich auf eine vorsichtige, langsame Annäherung mit Aromasinnlichkeit, leisen Stimmen und Pausen nach jedem Schritt. So kann Nähe entstehen, ohne dass sich einer gehegt oder überfordert fühlt.
Beispiel: In einer Erkältung mit Müdigkeit suchen beide gemeinsam eine Wärmeposition, die den Atem beruhigt und gleichzeitig Nähe anbietet. Kleine Signale wie ein Kichern nach einer sanften Berührung zeigen, dass beide Partner sich gesehen fühlen.
Spezifische Situationen und wie man sie meistert
Frage: Wie geht man mit einer verstopften Nase um, ohne das Vergnügen zu beeinträchtigen?
Antwort: Atmungsfreundliche Positionen, die eine leichtere Atmung ermöglichen, helfen. Ein Glas Wasser griffbereit halten, um den Mundtrockenheit vorzubeugen. Wenn die Nase stark verstopft ist, kann eine kurze Pause genommen werden, um sich zu erfrischen. Kommunikation bleibt hier der Schlüssel.
Frage: Welche Grenzen sind sinnvoll, um Überlastung zu vermeiden?
Antwort: Definieren Sie ein Tempo, das sich für beide gut anfühlt. Drängen Sie nicht; beachten Sie Zeichen wie Ermüdung, trockene Haut oder Reizung. Ein kurzes Abkoppeln für Atem- oder Trinkpausen kann Wunder wirken.
- Dos: Offene Kommunikation, Tempo anpassen, auf Hygiene achten, kurze Pausen nutzen.
- Don’ts: Druck ausüben, provozieren bei starker Müdigkeit, Mund-zu-Mund-Kontakt bei infektiösen Phasen, unklare Signale ignorieren.
Abschluss und Praxis-Checkliste
Abschließend gilt: Sex und Erkältung müssen nicht im Widerspruch zueinander stehen. Mit Achtsamkeit, echtem Austausch und realistischem Tempo lassen sich Nähe und Wohlbefinden verbinden. Wenn Beschwerden länger anhalten oder stark sind, ist es sinnvoll, medizinischen Rat einzuholen.
Solange beide Partner einverstanden sind und Rücksicht nehmen, bleiben intime Momente auch während einer Erkältung möglich – mit mehr Aufmerksamkeit, weniger Hast und einem Fokus auf das Wohlbefinden des Partners.