Viele glauben, dass während der Periode automatisch weniger sexuelles Verlangen besteht oder dass Sexualität nicht ideal ist. Dieser Mythos kann zu Missverständnissen führen und Verlegenheit verstärken. Tatsächlich gibt es Zeiten, in denen sich Lust steigern kann, andere, in denen weniger Interesse da ist. Wichtig ist, ehrlich mit sich selbst zu sein und sich nicht unter Druck zu setzen.
In dieser Auseinandersetzung mit dem Thema geht es um Freiraum, Sicherheit und Selbstbestimmung. Sex während der Periode kann eine intime Erfahrung sein, die Nähe stärkt und das eigene Körpergefühl positiv beeinflusst – vorausgesetzt, alle Beteiligten stimmen zu und praktizieren Hygiene und Sicherheit. Wir betrachten sowohl biologische Ursachen als auch praxisnahe Tipps, damit du mehr Lust auf Sex während der Periode findest, wenn sie sich gut anfühlt.
Missverständnisse rund um Lust während der Periode
Der häufigste Irrtum: Periode bedeute automatisch weniger Erregbarkeit. Das trifft so nicht zu. Viele Menschen berichten, dass Blutung, Krämpfe oder Müdigkeit gelegentlich zu weniger Interesse führen. Doch gleichzeitig können vermehrter Blutfluss, gesteigerte Durchblutung des Beckens und hormonelle Schwankungen das Verlangen erhöhen. Es kommt stark auf die individuelle Situation an.
Ein weiteres Vorurteil ist, dass Sex während der Periode unhygienisch oder riskant sei. Grundsätzlich ist Sex sicher, solange Hygienemaßnahmen beachtet werden und alle Beteiligten einverstanden sind. Schutz vor Blutschmiererei, einfache Vorbereitungen und eine entspannte Grundstimmung senken Unwohlsein und erhöhen das Vertrauen zueinander.
Biologie und Körpergefühl: Was sich verändert
Der weibliche Körper reagiert in jeder Zyklusphase anders. In den Tagen um den Eisprung herum steigt die Libido oft an, doch auch während der Menstruation kann die Lust wachsen, besonders wenn Entspannung, Nähe und positive Erfahrungen zusammenkommen. Die hormonellen Schwankungen, Prostaglandine in der Gebärmutterschleimhaut und die erhöhte Durchblutung im Beckenbereich beeinflussen Libido, Feuchtigkeit und Empfindsamkeit.
Wichtig ist, das eigene Timing zu beobachten. Manche finden in der frühen Periode eine neue Intimitätsdynamik: weniger Leistungsdruck, mehr Raum für Nähe und langsame Begegnungen. Andere spüren, dass Schmerzen oder Krämpfe im Moment dominant sind. Beides ist legitim. Es lohnt sich, sich selbst zuzuhören und gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin eine bequeme Atmosphäre zu schaffen.
Hormonelle Einflüsse
Hormonveränderungen während des Menstruationszyklus beeinflussen Erregung, Stimmungsbilder und Schmerzempfinden. Östrogen kann die Haut und Schleimhäute empfindlicher machen, während Progesteron in manchen Phasen zu einer beruhigten Stimmung beitragen kann. Diese Schwankungen sind individuell verschieden; eine offene Kommunikation hilft, das passende Timing zu finden.
Darüber hinaus kann das sexuelle Verlangen durch Stressabbau, Wärme und Nähe stärker werden. Eine achtsame Atmosphäre, langsames Vorgehen und klare Zustimmung stärken das Vertrauen und können die Lust steigern, auch wenn die Periode läuft.
Praktische Tipps, um mehr Lust zu erleben
Kleine Anpassungen können helfen, dass sich der Körper sicher und wohl fühlt. Beginne mit einem ehrlichen Gespräch über Vorlieben, Grenzen und Hygienemaßnahmen. Ein sicherer Raum, in dem Vertrautheit zählt, ermöglicht es, sich zu entspannen und die Bedürfnisse des Partners zu respektieren.
Bevorzugte Strukturen, wie längere Vorspiele, sanfte Stimulation oder Positionswechsel, können die Empfindungen positiv beeinflussen. Vermeide Druck – Lust kann kommen, wenn du entspannt bist und dein Verhalten respektvoll ist. Experimentiere sanft mit Berührung, Temperatur und Rhythmus, und passe Tempo und Intensität an, je nachdem, wie sich dein Körper anfühlt.
Checkliste: Dos und Don’ts
- Dos: ausreichend Gleitmittel verwenden, sanft beginnen, Kommunikation währenddessen sicherstellen, regelmäßig pausieren, nach Hygiene fragen, Schutz bei Blutung beachten.
- Don’ts: Druck verspüren, Erwartungen erzwingen, Schmerzen ignorieren, ungeschützten Sex bei offenen Wunden oder Infektionen.
Kommunikation und Partnerschaft
Offene Gespräche über Vorlieben, Ängste und Grenzen sind essenziell. Partnerinnen und Partner sollten sich Zeit nehmen, zuzuhören, Rückmeldungen geben und Zustimmung deutlich vermitteln. Das stärkt Vertrauen und macht gemeinsame Erfahrungen reichhaltiger.
In einer Beziehung kann die Periode eine Gelegenheit sein, Nähe neu zu definieren: weniger hektisch, mehr Fokus auf Geborgenheit. Wenn beide zustimmen, kann der Moment der Intimität zu einem wichtigen Bindemittel werden – ohne Druck, aber mit Freude am gemeinsamen Erleben.
Abschluss und Ausblick
Mehr Lust auf Sex während der Periode ist kein Widerspruch zur Natürlichkeit des Zyklus. Es geht darum, die eigene Lust zu akzeptieren, auf den Körper zu hören und in einem respektvollen Rahmen gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin zu gestalten. Experimentiere behutsam, bleibe ehrlich zu dir selbst und genieße das, was sich angenehm anfühlt.
Wenn du merkst, dass Libido schwankt oder dich bestimmte Beschwerden stark beeinflussen, suche bei Bedarf Rat bei einer Hebamme, Gynäkologin oder einer sexuellen Gesundheitsberatung. Jede(r) hat eine individuelle Erfahrung – und das ist okay.